Geert Vanneste: Mit Child-Help in die Champions League der Entwicklungszusammenarbeit

11 November 2021

„Stellen Sie sich mal vor, Sie sind die ganze Zeit nass, weil kontinuierlich Urin aus Ihrer Blase läuft. Und damit sitzen Sie dort, wo Sie jetzt gerade sitzen. Oder Sie arbeiten in einem Hotel, und Kunden fragen Sie, woher der schlechte Geruch kommt, während Sie Angst haben, gefeuert zu werden. Oder der Lehrer in der Schule schickt Sie nach Hause, da die Kinder nicht aufhören, über Sie zu lachen.“ Wer mit Geert Vanneste spricht, weiß schnell, warum Oxybutynin für Personen mit Spina bifida so wichtig ist.

Oxybutynin ist ein Medikament, das für eine Entspannung der Muskulatur sorgt. Patient*innen mit Spina bifida verwenden es nur lokal in der Blase. Viele von ihnen können ihre Blase weder kontrollieren noch entspannen, nur mit diesem Medikament ist eine vollständige Entleerung während der Katheterisierung möglich. Verbleibt Urin in der Blase, können schwere Infektionen entstehen, bis hin zu Nierenversagen. Obwohl das Medikament so wichtig ist, wird es in Afrika nicht vertrieben. Mehr noch: Die Abgabe von Oxybutynin ist aufgrund geltender Gesetze verboten. Geert Vanneste will das ändern. Unermüdlich setzt er sich im Auftrag von Child-Help dafür ein, dass Oxybutynin so vielen Menschen wie möglich in Afrika zur Verfügung steht.

Die Wichtigkeit von Oxybutynin klarmachen
„Es kommt also darauf an, diese Botschaft an die Leiter der Gesundheitsministerien und der nationalen Arzneimittelbehörden der neun afrikanischen Länder weiterzugeben, in denen Child-Help Partner hat“, sagt Vanneste. „Was hilft, ist, dass wir Listen mit Namen und Orten bedürftiger Patient*innen haben.“ Das spreche für sich und berühre das Herz der Mitarbeiter*innen in den Ministerien und Behörden.

Dieser Prozess ist nicht immer ganz einfach. Geert Vanneste arbeitet seit 20 Jahren im Gemeinderehabilitationsprogramm und als Krankenhausmanager in Afrika, er hat zwölf Jahre lang afrikanische Gesundheitsprogramme beraten. Dann kam er zu Child-Help. „All das war schwierig, aber das Mandat von Child-Help ist das schwierigste, das es im Gesundheitswesen gibt, es ist die Champions League der Entwicklungszusammenarbeit.“

Von Vorurteilen lässt er sich bei seiner Arbeit nicht beeindrucken: „Manche Leute sagen, alle Beamten in Afrika seien korrupt, sie wollten nur Geld“, erzählt Geert Vanneste. „Nun, es kommt darauf an, wer mit ihnen spricht. Wenn ich auch jemand wäre, der nur über Geld spräche, ja, vielleicht wären einige von ihnen korrupt. Aber ich erzähle ihnen von Kindern. Über den Mann im Hotel. Über die Mutter, die ihrem Kind fünfmal täglich die Blase entleeren muss, da es sonst sterben kann. Und dass sie dieses Produkt braucht, damit ihr Kind überlebt.“

Er bleibe immer freundlich und habe keine Angst, die Wahrheit zu sagen. „Ich lüge niemanden an, ich spiele keine Spiele. Wenn ich nach einem Getränk, nach Transportgebühren oder direkt nach Geld gefragt werde, antworte ich freundlich, dass diese Kinder ihre Kinder sind, nicht meine. Dass ich hart arbeite, um ihnen kostenlos zu helfen und dass ich von ihnen erwarte, dasselbe zu tun. Dann lachen sie, aber sie vertrauen mir. Menschen, die sich vertrauen, können gemeinsam etwas erreichen.“

Persönliche Kommunikation mit Entscheidungsträger*innen
WhatsApp sei ein hilfreiches Tool, um mit Entscheidungsträger*innen in Kontakt zu kommen. Sobald er die Handynummer eines Gesundheitsministers oder des Leiters der jeweiligen nationalen Arzneimittelagentur hat, erstellt er einen Kontakt und sendet eine freundliche Nachricht. „Wenn die Kommunikation dann direkt läuft, vertraue ich generell darauf, dass es bald Fortschritte geben wird“, sagt Vanneste.

Für diese Fortschritte arbeitet Geert Vanneste hart. Es gebe Zeiten, in denen andere Termine drängen und es schwierig sei, alle E-Mails zum Thema Oxybutynin zu beantworten. Er arbeite mit einem sehr strengen Tagesplansystem, das helfe ihm. „Dann ist zum Beispiel „Nigeria“-Tag. Das heißt, was immer sonst noch auftaucht, ich werde mir den aktuellen Stand ansehen und ein paar E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten nach Nigeria schreiben.“

„Die Arbeit fühlt sich gut an.“
Was motiviert ihn, diese anstrengende Arbeit zu machen? „Es ist das Ergebnis, das mich am meisten motiviert, und die Tatsache, dass ich mich dabei gut fühle“, sagt Vanneste. Und er nennt auch persönliche Gründe: „Als unsere Tochter Krebs bekam, brachte ich dem Arzt und den Krankenschwestern, die sie behandelten, Blumen. Vielleicht klingt es albern, aber ich musste ihnen diese Blumen geben. Um Danke zu sagen und für mich. Es fühlte sich gut an. Ich wusste, sie würden glücklich sein und diesen Tag ein bisschen mehr genießen. Es ist vielleicht eine Art zu sagen, dass wir alle nur Menschen sind, auf demselben steinigem Weg.“

Seine harte Arbeit zahlt sich aus, er nennt zum Beispiel die ersten legal in Uganda hergestellten Kapseln von Oxybutynin und den ersten Export von dort in andere afrikanische Länder. Zurzeit profitieren einige hundert Patient*innen in Uganda, Malawi und Kenia von Vannestes Einsatz. „In Zukunft, und hoffentlich nachhaltig, einige tausend Menschen in den neun ostafrikanischen Ländern, in denen Child-Help momentan aktiv ist“, hofft Geert Vanneste. „Wenn wir die Ressourcen hätten, wären es auch in anderen afrikanischen Ländern etwa 100.000. Aber da haben wir noch keine Partner, die die Eltern ausbilden können. Letztlich hängt alles von unserem Budget ab. Sobald wir in den neun Ländern erfolgreich sind, werden wir eruieren, was als nächstes kommt.“

Aber das eigentliche Highlight für ihn wäre, dass niemand mehr mit Spina bifida nicht zur Schule oder zur Arbeit gehen kann, weil kein Oxybutynin verfügbar ist oder die Katheter zu teuer sind. „Wir werden weiterhin Fortschritte in Richtung dieses Ziels machen“, ist sich Geert Vanneste sicher.

„Jeder, dem wir helfen können, macht einen großen Unterschied.“
Als nächstes kurzfristiges Ziel hat er sich vorgenommen, die durch die Verteilung von Oxybutynin entstandenen Kanäle für anderes, dringend benötigtes medizinisches Material zu nutzen, zum Beispiel für Shunts (ein Schlauch, der den Druck im Kopf senkt) und Katheter, die zum Ablassen des Urins und für die Verwendung von Oxybutynin verwendet werden. „Wir wollen eine stabile Versorgung gewährleisten und den gesamten Prozess kostengünstiger machen, damit wir mehr Menschen bedienen können“, erklärt Vanneste den Plan.

Langfristig hofft er, dass immer mehr Gelder aus den afrikanischen Ländern selbst zur Verfügung stehen – durch vermehrte lokale Steuern, sowie noch für einige Zeit, aus Zahlungen der reichen Länder. „So können wir unsere Mission fortsetzen und die Zahl der Menschen erhöhen, die unsere Hilfe und damit faire Chancen im Leben bekommen. Wir alle haben nur ein Leben, es ist die einzige Chance, die wir haben. Jeder, dem wir helfen können, macht einen großen Unterschied.“

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